Das Leben in der eigenen Welt

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Der Schwager von Felix Schwimmer packt aus. Sein Schachspiel habe ihn in den Wahnsinn getrieben.

Gloria Mattinger

München – »Das Schwein muss weg!«, sagte Heinrich Matt, der 35-jährige Bankangestellte anlässlich einer Pressekonferenz in München. Das Verhältnis von Schwimmer zu seiner Frau hätte seit Langem im Argen gelegen, versicherte Matt. Seinen Einschätzungen nach war das Motiv Eifersucht. Das Blutbad sei dafür Beweis genug.

Leben hart an der Grenze

In Schwimmers Leben hätte es viele dunkle Seiten gegeben, analysierte Matt das Leben seines Schwagers. Nach dem Abbruch des Studiums hätte er vom Lehrergehalt seiner Frau gelebt. Ein Leben hart an der Armutsgrenze. Damals hätten die beiden noch in Hamburg gewohnt. Matts Schwester hätte Schwimmer schließlich überredet, die Stelle bei der NGN Bank of Germany anzunehmen. »Wenn Sie mich fragen, hat er dort viel zu viel verdient. Er konnte mit Geld nie umgehen. Er prasste und warf es zum Fenster hinaus.«

Ein geplatzter Traum

»Das Schlimmste aber war sein Schachspiel«, sagte Matt im Beisein von Rechtsanwälten. Tagelang hätte sich Schwimmer zurückgezogen und gespielt. Er hätte davon geträumt, eines Tages Weltmeister zu werden. »Ein Narr. Er hat damit das Glück seiner Familie aufs Spiel gesetzt.« Schwimmer hätte während seiner Schulzeit an mehreren Schachmeisterschaften teilgenommen. Und gewonnen. »Er ist ja hochintelligent, aber menschlich …«, gab Matt den Journalisten zu verstehen. Nachdem Schwimmer seine Frau kennengelernt hatte – auf einer Schulparty – hätte er sich von öffentlichen Turnieren zurückgezogen. Lisa Schwimmer hätte gewusst, was gut für ihren Mann war, versicherte Matt.

Schwimmer versus Schwimmer

Vor drei Jahren hätte sich Schwimmer von allen Familienangelegenheiten zurückgezogen. Er wäre schweigsam geworden und hätte die Einsamkeit gesucht. Er hätte nächtelang Schach gespielt, mit sich selbst als Gegner. »Mit uns hat er kein Wort mehr gesprochen. Das Schach hat ihn in den Wahnsinn getrieben«, sagte Matt gegen Schluss der Konferenz.

Schwimmers Eltern hätten vom Wahn ihres Sohnes nichts gewusst, betonte Matt. Die Eltern waren bei der Konferenz nicht anwesend. Der Arzt hatte ihnen jede Aufregung untersagt. Die Mutter von Felix Schwimmer wurde mittlerweile wieder aus dem Sonderkrankenhaus in München entlassen.

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