»Linksruck« im Beruf

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Abteilungsleiter der NGN Bank of Germany rechnet mit dem Schlimmsten: »Wir warten auf das Bundeskriminalamt«. Kommt Schwimmer aus der Pornobranche?

Caspar Tischer

München – Sie sind dunkel gekleidet, die Kriminalisten mit den Gummihandschuhen. Seit Tagen stellen sie das Haus Nummer 22 auf der Fraueninsel auf den Kopf. Mit Hunden und akribischer Sorgfalt durchforsten sie das Grundstück. Jeder einzelne Quadratzentimeter des Anwesens wird fotografisch festgehalten, wie ein Mosaik. Jedes Detail kann die Wahrheit um die tragischen Vorgänge ans Licht bringen. Alles ist von Bedeutung. Ebenso wichtig: die genaue Untersuchung des ideologischen Umfeldes von Felix Schwimmer.

Links statt rechts

»Er wirkte verstört. Redete die ganze Zeit vom Verfall der Weltwirtschaft.« Der Bruder der ermordeten Lisa Schwimmer kann die Sache nicht verstehen. Er kennt den Angeklagten schon seit Jahren. »Er sympathisierte mit den Globalisierungsgegnern.« Der Abteilungsleiter der NGN Bank und Vorgesetzte von Felix Schwimmer schlägt in dieselbe Kerbe: »Schwimmer wählte Links. Seine Arbeit erledigte er aber gewissenhaft. Anfangs.«

Felix Schwimmer arbeitete seit über sieben Jahren bei der Bank. Im Bereich des Wertpapier-Research verdingte er sich als Junior Stock Analyst – eine Tätigkeit, die ihn zunehmend belastete. »Er fürchtete um seinen Job und hatte Spielschulden«, bestätigte ein Kollege.

Angst vor der Durchsuchung

Mittlerweile zeigt sich der Abteilungsleiter von NGN besorgt. »Ich rechne jeden Moment mit dem Bundeskriminalamt«, sagte Dr. Fritz Hauber. »Es ist vor allem Schwimmers Computer, der die Behörden interessieren wird. Seine Analysen waren oft durchgehend bearish« [Bärenstimmung an den Börsen: die Erwartung fallender Kurse – Anm. d. Red.].

Indes bestreitet Hauber den persönlichen Kontakt zu Schwimmer. »Sein Herz schlug zu weit links. Und in seinem Kopf … man wusste nie, wie er als Nächstes reagieren würde.« Hauber bedauert die Vorfälle. Und: Schwimmer stehe auf der Kündigungsliste ganz oben. Sein Verdienst von über 5.000 Mark im Monat seien bei Schwimmers Leistung nicht mehr tragbar.

Kontakte zur Pornobranche?

Zuletzt hatte Schwimmer die Aktie eines jungen Unternehmens analysiert. Die Adult Informationsdienstleisungs AG ist in der Nähe von München ansässig und entwirft Dutzende Porno-Internetseiten. In den letzten Monaten fiel der Kurs der Adult AG von 180 auf 13 Euro. Hauber waren die regelmäßigen Dienstreisen von Schwimmer schon lange ein Dorn im Auge. Ob er im Schloss, dem Anwesen der Adult AG, ein- und ausgegangen war, wusste der Abteilungsleiter allerdings nicht. »Es wäre ein Verstoß gegen unsere Vorschriften«, sagte Hauber, nicht ohne Nachdruck.

Alles auf Band

Gegen Abend verließen die meisten Journalisten das Anwesen von Felix Schwimmer. An den Absperrungen rund um das Haus hatten Beamte des BKA Stellung bezogen. Nur ein paar neugierige Nachbarn versuchten, noch einen Blick zu erhaschen. Einer konnte Schwimmer sogar verstehen. »Seine Frau, die trieb sich mit allerhand Männern herum. Der Schwimmer, der war ein guter Mensch. Sie aber, sie hat es nicht besser verdient.« Mittlerweile musste der Nachbar seine gesamten Videobänder, die er heimlich von den Ermittlungen gemacht hatte, dem Bundeskriminalamt aushändigen. Er werde dagegen rechtliche Schritte einleiten, kündigte der 38-jährige Arbeitslose an.

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